Community Health Nursing

Projektphase II

Informationen zur Ausschreibung für Hochschulen

Mit Unterstützung durch die Robert Bosch Stiftung werden bis zu drei Hochschulen gefördert, die ein Mastercurriculum zu Community Health Nursing entwickeln und den Studiengang erfolgreich akkreditieren lassen. Das Projekt wird durchgeführt von der Agnes-Karll-Gesellschaft für Gesundheitsbildung und Pflegeforschung mbh des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe e.V. (DBfK). 


Durch die Entwicklung von Studienangeboten zu Community Health Nursing wird die Etablierung der Community Health Nurses gefördert. Die professionelle Pflege übernimmt eine Rolle in der Primärversorgung, die Gesundheitsversorgung kann gesichert, evtl. auch verbessert und/oder erweitert werden. Die Pflegeberufe gewinnen an Attraktivität, vor allem in der ambulanten Versorgung. Der bisherige Fokus auf Behandlung von Akuterkrankungen (im Krankenhaus) verlagert sich zugunsten der Behandlung chronischer Erkrankungen. Die mit der hohen Spezialisierung einhergehende erweiterte Handlungsautonomie ist eine Chance, neue pflegerische Rollen zu entwickeln.

Der Zeitplan

Die Ausschreibung für die Hochschulen startet am 1.1.2018. Details können dann an dieser Stelle abgerufen werden oder über eine E-Mail-Anfrage an chn2@dbfk.de. 

Die Bewerbung der Hochschule muss bis zum 31.03.2018, 12 Uhr in der Bundesgeschäftsstelle des DBfK eingegangen sein (per Post oder E-Mail).
Bis zum 31.05.2018 wird über die Förderung entschieden. 


Bis spätestens 15.06.2018 erfolgt der Bescheid über die Bewerbung.
Die Auswahl erfolgt über ein unabhängiges Expertengremium.


Förderzeitraum: Die Förderung der Hochschulen startet am 01.07.2018. Bis zum 30.06.2020 muss ein Curriculum und die Akkreditierung des Masterstudiengangs vorliegen.

 

Weitere Informationen zur Ausschreibung des Projekts

 
 

Zielgruppe

Diese Ausschreibung richtet sich an Hochschulen mit public-health-geprägtem und/oder pflegewissenschaftlichem Studienangebot in Deutschland, die bei der Entwicklung eines Curriculums zu Community Health Nursing und der Akkreditierung unterstützt und gefördert werden sollen.

Hochschulen können sich bewerben, wenn sie:
(1) eine nachweisbare Kompetenz in der Durchführung von pflegewissenschaftlichen Masterstudiengängen haben,
(2) bereits erfolgreich Master-Studiengänge in den Pflegewissenschaften oder angrenzenden Disziplinen etabliert haben,
(3) Fachlichkeit in Community Health Nursing oder einem angrenzenden Fachgebiet (Public Health Nursing, Gesundheitsförderung, Prävention) und Ansätze zu gemeinde- oder familienzentrierter Pflege nachweisen können,
(4) über geeignetes Lehrpersonal, insbesondere Professor/innen und wissenschaftliche Mitarbeiter/innen mit Studienabschluss in einer einschlägigen Disziplin verfügen,
(5) Expertise nachweisen können, die relevant für Community Health Nursing ist (nachgewiesen über das Profil des Lehrstuhls/der Hochschule, Lehrangebot, Publikationen),
(6) die für das Studium erforderlichen Lehr- und Lernmittel (Bibliothek, PC-Arbeitsplätze, Zugang zu Internet/Datenbanken) zur Verfügung stellen,
(7) den Nachweis der Unterstützung der Entwicklung und Akkreditierung der Hochschule und/oder des Fachbereichs erbringen.

 
 

Geforderter Leistungsumfang der Hochschulen

(1) Entwicklung eines Curriculums für einen Masterstudiengang zu den spezifischen Inhalten von Community Health Nursing, angelehnt an die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zu Kompetenzprofil, Handlungsfelder, Zielgruppen, Szenarien und Aufgaben der Community Health Nurse (siehe Konzeptentwurf Community Health Nursing in Deutschland*).
(2) Die Akkreditierung des Studienganges am Ende der Curriculumsentwicklung, spätestens zum Wintersemester 2020.
(3) Studienangebot Community Health Nursing auf Master-Ebene ab Wintersemester 2020.
(4) Frühzeitige Kontaktaufnahme mit Vertreter/innen des Landeswissenschaftsministeriums, um eine Unterstützung des Studienangebotes zu bewirken.
(5) Teilnahme am Begleitprogramm der Agnes-Karll-Gesellschaft (2 Statussymposien, Vernetzung der Hochschulen untereinander, Teilnahme an der Studienreise, Mitwirkung an einer Fachtagung etc.)

*Konzeptentwurf Stand 25.10.2017. Der Entwurf kann per E-Mail angefordert werden bei dbfk@dbfk.de (Stichwort „Konzept Community Health Nursing“) 

 
 

Hintergrund

In Deutschland gibt es seit langem Diskussionen um die Stärkung der Primärversorgung, vor allem im ländlichen Raum und benachteiligten Stadtquartieren. International haben sich multiprofessionell besetzte, integrierte Gesundheits-/Versorgungszentren bewährt. Speziell qualifizierte Pflegefachpersonen - Community Health Nurses - übernehmen eine wichtige Rolle. Es gibt Hinweise, dass sie in unterversorgten Gebieten die Gesundheitsversorgung und Pflege qualitativ und quantitativ sichern und verbessern. Die Community Health Nurses sind Teil des multiprofessionellen Teams und gewährleisten die Koordination und Kontinuität der Patientenversorgung.

Auch der Sachverständigenrat (SVR 2014) empfiehlt die Einrichtung von lokalen Gesundheitszentren zur Primär- und Langzeitversorgung. Die präventiven und gesundheitsfördernden Potentiale der Pflegeberufe sollen stärker genutzt und die Primärprävention für vulnerable Gruppen ausgebaut werden (SVR 2003, 2005, 2007). Derzeit fehlt es allerdings noch an entsprechenden Qualifikationsmöglichkeiten im Public Health- oder Community Health Nursing (SVR 2014 S. 513 nach Brieskorn-Zinke 2007; Görres/Hasseler 2004).

 
 

Was ist Community Health Nursing?

Was in Deutschland noch ein Fremdwort ist, hat in anderen Ländern längst Einzug gehalten. In Städten, aber auch ländlichen Regionen wird die primäre Gesundheitsversorgung maßgeblich von speziell qualifizierten Pflegefachpersonen unterstützt. Schlüsselfunktion haben kommunale Gesundheitszentren wie es sie z.B. in Kanada, Finnland oder Slowenien gibt. Dort finden Patient/innen Ansprechpartner für alle Probleme rund um Krankheit und Gesundheit.

Community Health Nursing Buch im Regal

Das Besondere daran: Ein multiprofessionell zusammengesetztes Team bietet aufeinander bezogene, integrierte Versorgungsangebote. Das geht weit über den in Deutschland üblichen „Arztbesuch“ hinaus. Im kommunalen Gesundheitszentrum gibt es Angebote für Menschen mit Behinderung, Pflegebedürftige, demenziell Erkrankte, chronisch oder mehrfach Erkrankte, zu Selbsthilfegruppen, für werdende Eltern, Familien, Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Mobilitätseingeschränkte. Alle arbeiten unter einem Dach: Ärzte, Therapeuten, Sozialarbeiter, Pflege … und Pflegende übernehmen dabei eine wichtige Rolle: Sie steuern, koordinieren, beraten, überwachen, leiten. Das wird international als Community Health Nursing (CHN) bezeichnet.

Wichtig sind Gesundheitsförderung und Prävention in der Kommune, der Gemeinde, dem Quartier. Die Menschen in der Bewältigung des Alltags zu unterstützen - in jeder Lebenslage und Altersspanne -, ist Kerngeschäft von Community Health Nurses. Wie die internationale Literatur zeigt, können Community Health Nurses einen wichtigen Beitrag dazu leisten, in unterversorgten Gebieten die Gesundheitsversorgung und Pflege qualitativ und quantitativ zu sichern und zu verbessern. 

 
 

Projektphase I

In der ersten Projektphase (1.1.2017-31.12.2017) hat die Agnes-Karll-Gesellschaft ein Konzept für das Aufgaben- und Leistungsprofil von Community Health Nurses in Deutschland entwickelt. Daraus wurden Qualifikationsanforderungen abgeleitet und eine Bestandsaufnahme existierender Qualifizierungsangebote im Bereich Community Health (oder der angrenzenden Bereiche) vorgenommen. Deutlich wurde, dass die in Deutschland vorhandenen hochschulischen Qualifizierungsmöglichkeiten zur Community Health Nurse noch weiter entwickelt werden sollten. Die Ergebnisse der ersten Projektphase sind im Konzeptentwurf* „Community Health Nursing in Deutschland“ beschrieben. Der Konzeptentwurf ist die Grundlage für die inhaltliche Ausrichtung der zu entwickelnden Masterstudiengänge Community Health Nursing in der Projektphase II.

*Konzeptentwurf Stand 25.10.2017. Der Entwurf kann per E-Mail angefordert werden bei dbfk@dbfk.de (Stichwort „Konzept Community Health Nursing“)

 
 

Fachtagung Community Health Nursing

Volles Haus bei der Fachtagung Community Health Nursing am 29. und 30. November 2017 in Berlin: Zwei Tage lang tauschten sich Expert/innen aus dem In- und Ausland über das Thema aus. Prof. Doris Schaeffer, Universität Bielefeld, stellte die sich ändernden Bedarfslagen in ländlichen Regionen in Deutschland vor. Franz Wagner, Bundesgeschäftsführer DBfK, präsentierte die Machbarkeitsstudie zum Community Health Nursing in Deutschland. Die zentrale Aussage lautet:  „Angesichts der veränderten Versorgungsbedarfe, vor allem auf dem Land und in sozialen Brennpunkten, stehen wir vor großen Herausforderungen. Speziell qualifizierte Pflegefachpersonen bieten eine Chance, die Primärversorgung zu sichern und zu verbessern“.

Prof. Rob van der Sande inspirierte mit Beispielen aus den Niederlanden und Prof. Fiona Ross zeigte, was Community Health Nurses u.a. in Großbritannien und Hongkong leisten. Auf der Podiumsdiskussion erörterten die Teilnehmer: Wie passt das Konzept Community Health Nursing in das deutsche Gesundheitswesen? Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, diskutierte unter Moderation von Peter Mücke (NDR) mit Prof. Büscher (Hochschule Osnabrück), Dr. Klapper (Robert Bosch Stiftung) und Dr. Hänel (Gesundheitskollektiv Berlin). Am zweiten Tag boten dann die Fokusgruppen die Möglichkeit, spezielle Fragestellungen vertiefend zu diskutieren. 

Blick ins Auditorium bei der Fachtagung Community Health Nursing im November 2017 in Berlin.
Blick ins Auditorium bei der Fachtagung Community Health Nursing im November 2017 in Berlin.
Prof. Dr. Kerstin Hämel stellt bei der CHN-Fachtagung die Ergebnisse vor, die in einer der Fokusgruppen erarbeitet wurden.
Prof. Dr. Kerstin Hämel stellt bei der CHN-Fachtagung die Ergebnisse vor, die in einer der Fokusgruppen erarbeitet wurden.
 
 
 

Zweites Expertentreffen Community Health Nursing

Beim CHN-Expertengespräch waren dabei (v.l.): Insa Keßler, Franz Wagner, Prof. Dr. Doris Schaeffer, Andrea Weskamm, Prof. Dr. Reinhard Busse, Louise Baker-Schuster und Günter Garbrecht. zoom
Beim CHN-Expertengespräch waren dabei (v.l.): Insa Keßler, Franz Wagner, Prof. Dr. Doris Schaeffer, Andrea Weskamm, Prof. Dr. Reinhard Busse, Louise Baker-Schuster und Günter Garbrecht.

Community Health Nursing auf nationaler und regionaler Ebene: Das war der Schwerpunkt des zweiten Erfahrungsaustausches im Rahmen des Community Health Nursing Projekts, zu dem der DBfK am 11. September 2017 nach Berlin einlud.

Im ersten Treffen lag das Hauptaugenmerk auf den internationalen Entwicklungen. Nun diskutierten die Teilnehmer einen ersten Konzeptentwurf, wie CHN in Deutschland auf den Weg gebracht werden kann. Ziel war auch, deutlich zu machen, was das Neue an dieser Spezialisierung in der Pflege ist. Dementsprechend waren in dem Entwurf bereits bestehende und künftige Problemlagen, die Handlungsfelder, die Aufgaben, die Kompetenzen und die Ausbildungsmodalitäten für Community Nurses aufgeführt. Das Feedback auf den Konzeptentwurf sollte klären, welchen Bedarf die Kommunen an medizinisch-pflegerischer Versorgung haben und wie Community Health Nursing dazu beitragen kann, diesen Bedarf zu decken. Ebenso sollte in Erfahrung gebracht werden, welche Maßnahmen hilfreich sein können, politische Entscheider zu überzeugen und sie zu ermutigen, Stellen für Community Nurses einzurichten.

Es konnten Experten gewonnen werden, die sich politisch mit Fragen zur Gesundheitsversorgung auskennen, die vor Ort in der Kommune die Gesundheit der Bevölkerung gewährleisten, die wissenschaftlich mit der Thematik neuer Versorgungssysteme in der Pflege arbeiten und die sich mit Finanzierungsmodalitäten befassen.

Es fand ein lebhafter, intensiver und vielfältiger Austausch statt. Seine Essenz wird in die Weiterentwicklung des Konzeptes Community Health Nursing einfließen.

Erstes Expertentreffen „Community Health Nursing“

Die Experten (v.l.n.r.): Prof. Dr. Kerstin Hämel, Prof. Dr. Doris Schaeffer, Jožica Ramšak-Pajk, Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Rita Prowasnik, Prof. Dr. Wilfried Schnepp, Andrea Weskamm, Insa Gesine Keßler, Franz Wagner, Louise Baker-Schusterzoom
Die Experten (v.l.n.r.): Prof. Dr. Kerstin Hämel, Prof. Dr. Doris Schaeffer, Jožica Ramšak-Pajk, Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Rita Prowasnik, Prof. Dr. Wilfried Schnepp, Andrea Weskamm, Insa Gesine Keßler, Franz Wagner, Louise Baker-Schuster

Ein internationaler Erfahrungsaustausch war das erste Treffen des Projektes Community Health Nursing, zu dem der DBfK am 10. April 2017 eingeladen hatte. Welche Erfahrungen und Lektionen gibt es, auf die wir zurückgreifen können, wenn wir in Deutschland Community Health Nurses einführen? Welche Strukturen im Gesundheitswesen haben sich bewährt, was ist hinderlich? Wie könnte Community Health Nursing in Deutschland definiert werden? Und, ganz konkret, wie sieht das Handlungsfeld aus? Welche Aufgaben übernimmt er/sie und wofür ist sie zuständig? Diese und viele andere Fragen gilt es zu klären.

Laut Prof. Doris Schaeffer, Uni Bielefeld, öffnet sich gerade ein „Window of opportunity“. Durch die demographische Entwicklung, die Veränderung des Morbiditätsspektrums, aber auch den strukturell bedingten Mangel an Hausärzten klafft eine Lücke in der Gesundheitsversorgung. Das betrifft gerade die ländlichen Gegenden. Wie z.B. in der Uckermark. Was also in Australien gut funktioniert, könnte auch in Deutschland klappen. „Unser Outback ist die Uckermark“, so DBfK-Geschäftsführer Franz Wagner. Wichtig ist es, den Versorgungsbedarf der Menschen zu klären, die daraus entstehenden Aufgaben zu benennen und sinnvoll auf die jeweiligen Berufsgruppen zu verteilen - auch Job-Assignment genannt. Dabei kann es auch zu Neu- oder Umverteilung von Aufgaben kommen. Die Berufsgruppe der Pflege kann eine gute Ergänzung zur herkömmlichen Gesundheitsversorgung bieten.

In Australien und anderswo übernehmen schon lange hochqualifizierte Pflegefachpersonen wichtige Aufgaben in der Primärversorgung. Häufig sind sie als erste Ansprechpartner vor Ort. Sie untersuchen, schätzen ein, überweisen und stellen teilweise sogar Rezepte aus. Das regelt jedes Land individuell. Durch das Expertengespräch sind viele hilfreiche Impulse gesetzt worden, die jetzt in die Machbarkeitsstudie einfließen werden.

 
 
 
 

Kontakt Projektleitung

Community Health Nursing

Weskamm, Andrea

Bundesverband