Andrea Kiefer: „Gesundheitsversorgung ist mehr als Hausarztversorgung“

DBfK Südwest zur Debatte um fehlende Hausärzt:innen in Baden-Württemberg

13.03.2026

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Südwest fordert angesichts des Hausärzt:innenmangels in Baden-Württemberg einen Perspektivwechsel in der Gesundheitsversorgung. Statt weiter vor allem arztzentriert zu denken, brauche es eine moderne Primärversorgung, Community Health Nursing und sektorenübergreifende Strukturen.

„Entscheidend ist nicht allein, wo künftig wie viele Hausärztinnen und Hausärzte zur Verfügung stehen“, erklärt Andrea Kiefer, Vorsitzende im DBfK Südwest, „sondern wie eine verlässliche Gesundheitsversorgung organisiert wird, die sich konsequent an den Bedarfen der Patient:innen sowie der Menschen vor Ort orientiert.“ 

„Wir müssen Gesundheitsversorgung endlich stärker von den Menschen her denken und nicht allein von Berufsgrenzen oder tradierten Zuständigkeiten aus“, so Kiefer. „Wo Versorgung heute unter Druck gerät, brauchen wir nicht nur mehr ärztliche Kapazitäten, sondern tragfähige, multiprofessionelle Strukturen, die Prävention, Beratung, Begleitung und Behandlung sinnvoll miteinander verbinden.“ 

Aus Sicht des DBfK Südwest braucht Baden-Württemberg deshalb einen deutlich stärkeren Ausbau moderner Versorgungsstrukturen. Einige Primärversorgungszentren werden bereits als Modell gefördert. Diese Zentren arbeiten multiprofessionell, sind auf regionale Bedarfe ausgerichtet und sollen einen patientenorientierten, koordinierten und kontinuierlichen Zugang zur Versorgung ermöglichen. „Vor allem in ländlichen Regionen und Kommunen mit absehbaren oder bestehenden Engpässen, wird die Versorgung gesichert und sogar verbessert“, meint Kiefer. 

Eine zentrale Rolle sieht der DBfK Südwest dabei für Community Health Nurses. Diese hochqualifizierten Pflegefachpersonen können insbesondere bei chronischen Erkrankungen, in der Gesundheitsförderung, in der Prävention und bei der Koordination von Versorgung einen wichtigen Beitrag leisten. Gerade dort, wo Menschen nicht nur eine punktuelle Behandlung, sondern kontinuierliche Begleitung, Orientierung und niedrigschwellige Unterstützung brauchen, ist ihr Einsatz ein sinnvoller Baustein einer bedarfsgerechten Primärversorgung. 

„Wenn wir Versorgung allein über die Frage diskutieren, wo Ärztinnen und Ärzte fehlen, greifen wir zu kurz“, so Andrea Kiefer. „Insbesondere Menschen mit chronischen Erkrankungen, ältere Menschen und Familien brauchen wohnortnahe Anlaufstellen, in denen unterschiedliche Gesundheitsberufe zusammenarbeiten. Community Health Nurses und Primärversorgungszentren sind dafür keine Ergänzung am Rand, sondern Teil der Lösung.“ 

Auch die im Zuge der Krankenhausreform vorgesehenen sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen bieten aus Sicht des DBfK Südwest eine große Chance. Sie sollen ambulante, stationäre und pflegerische Leistungen stärker miteinander verbinden und eine verlässliche wohnortnahe Basisversorgung unterstützen. Wenn diese neuen Strukturen klug entwickelt werden, können sie regionale Versorgung passgenauer an den tatsächlichen Bedarfen der Bevölkerung ausrichten und Brüche zwischen den bisherigen Sektoren verringern. 

„Die Krankenhausreform darf nicht nur als Klinikreform verstanden werden“, betont Kiefer. „Sie eröffnet die Chance, Versorgung regional neu zu ordnen – näher an den Menschen, stärker vernetzt und mit einem klaren Fokus auf Prävention, Gesundheitsförderung und Kontinuität.“ 

Der DBfK Südwest fordert deshalb, die gesundheitspolitische Debatte in Baden-Württemberg breiter zu führen. Notwendig sei ein Verständnis von Primärversorgung, das nicht nur auf die ärztliche Versorgung im engeren Sinne schaut, sondern auf das Zusammenspiel von Prävention, Gesundheitsförderung, pflegerischer Expertise, sozialer Unterstützung und medizinischer Behandlung. 

„Die Frage darf nicht lauten, wie wir ein überlastetes System möglichst lange mit den alten Mitteln stabilisieren“, sagt Andrea Kiefer. „Die Frage muss lauten, wie wir eine Gesundheitsversorgung schaffen, die für die Menschen erreichbar, verständlich, kontinuierlich und zukunftsfest ist. Die professionelle Pflege ist ein wichtiger Teil der Lösung und muss endlich frühzeitig mitgedacht werden. Dies ist auch ein Appell an die neue Landesregierung: Sprechen Sie mit uns, denken Sie Pflege mit und lassen Sie uns gemeinsam neue Wege für eine bessere, nachhaltige Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg gehen.“



Anja Kathrin Hild
Referentin für Politik- und Medienkommunikation

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